Der Mythos Waschstraße

 
Auto richtig waschen"Swirls" deutlich zu sehen

 

Sie sind überall, sie arbeiten schnell und sie sind günstig- Waschanlagen locken viele Autobesitzer. Die Betreiber wollen die Eierlegendewollmilchsau erfunden haben. Einfache Basiswäsche für den kostenbewussten Autoliebhaber oder Premium-Nano-Heißwachsbehandlung für oft mehr als 15€- diese Alleskönner packen jeden Dreck.

 

FUNKTIONSWEISE VON WASCHANLAGEN

Überlegen wir uns zunächst einmal die grundsätzliche Funktionsweise einer solchen Waschstraße. Zu Beginn bewaffnet sich- bei "guten" Waschstraßen- ein Mitarbeiter mit einem Hochdruckreiniger (HDR) und spritzt euer Fahrzeug von oben bis unten einmal ab. Oft werden dann auch Felgen mit einem Handfeger, der in eine Seifenlösung getunkt wird, eingeschäumt. Danach fährt euer Auto, entweder mit oder ohne euch , durch den dunklen und nassen Tunnel. Anfangs wird das Auto mit einer Reiniger-Wasser-Mischung benetzt, die dann teilsweise wieder abgespült wird. Anschließend wird euer Fahrzeug durch die erste Runde von peitschenden Waschbürsten geschoben. Hierbei wird der Dreck durch mechanische Reibung einfach abgetragen, genauer gesagt wird er über den Lack vom Fahrzeug gerieben und verursacht so unschöne und teils tiefe Kratzer . Selbst wenn der grobe Sand vorher per HDR beseitigt wird, befindet sich noch genügend Kratzpotential auf euerm Lack. Während euer Auto obenrum beschäftigt ist, rotieren unten Felgenbürsten mit hoher Geschwindigkeit, um zumindest die Oberfläche der Felge zu reinigen. Diese Bürsten sind relativ hart, sodass gerade bei empfindlichen Felgen schnell Kratzer entstehen. Außerdem dringen die Bürsten nicht zwischen die Speichen und auch nicht ins Felgenbett vor- dadurch bleibt dort der große Teil des Drecks hängen. Nach der Reinigung kann die Waschanlage den Lack auch mit "Heißwachs" schützen. Die Programme haben hier ganz tolle, Marketingnamen- z.B. Nanowachs, Lotuspflege, Heißwachsversiegelung etc. Das Wachs wird hierbei aufgesprüht und in der Regel nicht wieder abgespült. Ergebnis ist hierbei ein Abperlen/Ablaufen des Wassers (und in der Theorie auch des Drecks) für ca. 1 Woche.

 

Ein weiteres Problem liegt darin, dass die Waschanlagen das benutzte Wasser wieder aufbereiten und erneut verwenden. Die dabei eingesetzten Filter schaffen es leider nicht das Wasser komplett aufzubereiten. Zurück bleiben noch Dreck, Reiniger und auch Reste vom Heißwachs. Dieses unappetitliche Gemisch landet dann auf eurem Auto und wird von den Bürsten verrieben. Außerdem sind die verwendeten Reiniger in der Regel sehr aggressiv, da sie nur wenige Sekunden auf dem Lack Zeit haben, um den Dreck anzulösen. Der Reiniger"knackt" zwar leider nicht den gesamten Dreck, aber die Chance ist groß, dass euer Lackschutz (Versiegelung oder Wachs) aufgelöst wird.

Zum Schluss wird euer Auto auch noch von einem großen Gebläse getrocknet.

 

TEXTILWASCHANLAGE- DIE LÖSUNG?

Ein großer Fortschritt bei den Waschstraßen war die Einführung von Textilbürsten. Die alten Kunststoffbürsten, die wir immernoch (viel zu oft) in Waschstraßen an Tankstellen finden, verliehen der Waschanlage den Namen "Kratzanlage". Der Kunstoff platzt durch die mechanische Wirkung auf, sodass die Spitzen sich teilen und damit scharf und dünn werden (ähnlich wie Spliss bei Haaren). Ich glaube es ist leicht sich vorzustellen, dass solche Plastikspitzen tiefe Kratzer im Autolack verursachen. 

Die Textilbürsten in modernen Waschanlagen sind einen Schritt weiter. Künsttextilien ersetzen zunehmend die Plastikbürsten und schonen den Lack- zumindest zu Beginn. Im Gegenteil zu der harten, kleinen Oberfläche einer Kunststoffborste besitzen der Textil"lappen" aufgrund seiner großen und weichen Fläche, die unschöne Eigenschaft, dass er den aufgenommene Dreck mit der Zeit nicht mehr so leicht abgibt. Es ist wie ein Wisschmop der nie abgespült wird. Das heißt, wenn die Textillappen um euer Auto wüten, reiben sie auf jeden Fall nicht nur euren Dreck über den Lack, sondern auch noch den vom Vordermann und dessen Vordermännern.

Ergebnis: KRATZER!

 

VOLL VERSWIRLT!!

Die typischen Waschanlagenkratzer nennen sich im Fachjargon übrigens treffender Weise "Swirls" (engl. Strudel, Wirbel). Man erkennt sie daran, dass sie aussehen, als hätte jemand ganz viele Kreise gezogen. Besonders in der Sonne sind sie gut zu erkennen. Im Bild seht ihr ein Beispiel solcher Swirls. Sie sind leider relativ hartnäckig und durch Handpolitur nur mit sehr sehr viel Mühe wieder zu entfernen.

 

Regelmäßige Besuche in der Waschstraße kann man euerm Auto übrigens schon nach 3-4 Monaten ansehen.

 

FAZIT

Endergebnis ist nach unserer Erfahrung (und auch der vieler unserer Gesprächspartner):

- augenscheinlich sauberes Auto, leider jedoch nicht überall

- mehr als genug verbleibende Wassertropfen, die dann zu Flecken führen

- Kratzer auf dem Lack, die im Nachhinein schwer zu entfernen sind

- Haftungsfragen im Falle von Schäden.

 

Wir möchten Waschanlagen an dieser Stelle auf keinen Fall als gehörnten Gesandten der Autohölle darstellen, denn für 70% der Autofahrer sind sie die perfekte Lösung, um das Fahrzeug schnell sauber zu machen und zu halten. Wer die Waschstraßen weiterhin nutzen möchte achtet aber bitte zumindest darauf, dass

  1. wenigstens Textilbürsten verwendet werden,
  2. vor dem Beginn der eigentlichen Wäsche ein Mitarbeiter mit einem HDR arbeitet,
  3. kein Wachsprogramm gewählt wird und
  4. im besten Fall noch ein Mitarbeiter anschließend die Einstiegsleisten trocknet. (Aber bitte nicht mit einem Küchenhandtuch)

An die verbleibenden 30% der Autofahrer, die mehr wollen, richtet sich dieser Blog.Solltet Ihr zu diesen 30% gehören seid ihr mit den folgenden Artikeln gut beraten, o.g. Probleme zu vermeiden.

 

 

Auf eine kratzerarme Zukunft

Eure Autolack Affen

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.