Theorie #3 | Kratzer im Lack? | Was sind Swirls RIDS Hologramme | AUTOLACKAFFEN

Hallo liebe Autopfleger,

in dieser Theoriestunde sprechen wir über Kratzer im Lack. Ihr erfahrt was Hologramme, Swirls und RIDS sind und wie ihr diese erkennen und voneinander unterscheiden könnt.

 

Defektaufnahme bei der Lackbegutachtung

Wenn du dir einen Autolack bei gutem Licht aus verschiedenen Winkeln ansiehst, wirst du feststellen, dass du die unterschiedlichsten Defekte im Lack erkennen kannst. Das, was ich hier Defekte nenne ist der Oberbegriff für alle Kratzer, Vermattungen, Dellen, Beulen und Steinschläge.

Die unterschiedlichen Defekte lassen sich bei der richtigen Lichtauswahl einfach auseinander halten. Wenn du einmal weißt, mit welchem Gegner (Defekt) du es zu tun hast, kannst du besser deine Waffen (Politur, Pads et cetera) wählen.

Waschkratzer, Spinnenweben und SWIRLS

Diese Art der Defekte ist die, die wir am häufigsten Vorfinden. Typischerweise sind SWIRLS kreisrund und sehen aus wie Spinnenweben. Das Lackbild bei einem „verswirlten“ Lack wirkt sehr gleichmäßig beschädigt.

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Meine Aussage aus dem Video muss ich an dieser Stelle korrigieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Swirls ganz viele kleine Kratzer sind, die aufgrund der runden Lichtquelle so aussehen, als wären sie tatsächlich rund. Vermutlich macht es aber nur die Vielzahl der Kratzer aus, dass dieses Bild so gleichmäßig erscheint. Durch dieses Lackbild wird auch der Glanz teilweise erheblich reudziert.

 

Bei der bloßen Betrachtung der SWIRLS kannst du nicht feststellen, wir stark diese ausgeprägt sind. Selbst sehr leichte Swirls können tief in der Lackoberfläche sein, während heftig aussehende SWIRLS einfach zu entfernen sein können. Hier hilft dir nur: Ausprobieren.

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Wie erkenne ich Waschkratzer:

Neben dem Sonnenlicht, dass für beinahe jede Lackbegutachtung die optimale Quelle darstellt, eignet sich im Bereich des künstlichen Lichtes besonders kaltweißes LED-Licht zum Erkennen von SWIRLS. Optimalerweise mit einem Wert von ungefähr 6500 Kelvin.

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SWIRLS vermeiden

Gleich vorweg: Ganz lassen sich SWIRLS leider nicht vermeiden. Selbst bei der schonensden Handwäsche werden irgendwann SWIRLS entstehen. Diese sind aber viel weniger und schwächer ausgeprägt und lassen sich einfach beseitigen, ohne eine Schleifpolitur durchführen zu müssen. Wer die Waschstrasse nutzen möchte, muss sich darauf einstellen, die SWIRLS öfter beseitigen zu müssen, um ernsthafte Schäden zu vermeiden. Bitte lass die Finger von der Waschbürste in der SB-Box. Diese kann neben tiefen SWIRLS auch starke einzelne Defekte verursachen, die so genannten RIDS- dazu später mehr.

 

Hologramme – Kunst der Grauens

Hologramme sind ähnlich wie SWIRLS ganz viele kleine Kratzer. Hologramme sind allerdings deutlich feiner, dafür ungleichmäßiger und vielzählig. Hologramme sehen aus wie Spiegelungen im Lack. Die häufigste Ursache für das Entstehen von Hologrammen sind das Polieren und das „falsche“ Waschen. Hologramme werden in der Regel von Partikel auf dem Polierpad oder dem Waschschwamm verursacht.

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Hologramme zuverlässig erkennen

Um Hologramme zu erkennen benötigst du direkt, tageslichtwarmes Licht (4500-5000 K). oder Sonnenlicht (etwa 3500 K). Bei bewölktem Himmel oder eine reinen Umgebungsbeleuchtung sind Hologramme nicht zu erkennen.

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Am besten bewegst du deine Lichtquelle langsam über den Lack, dann siehst du die Reflektion der Hologramme am Besten.

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Wie entstehen Hologramme

Wie bereits erwähnt sind die meisten Hologramme, die wir finden durch das Polieren entstanden. Nachfolgend möchte ich dir erklären, wie das geschieht

Beim Polieren wird Lack abgetragen. Diese Lackpartikel sammeln sich dann ungleichmäßig im Polierpad. Je gröber die verwendete Politur ist, desto mehr wird abgetragen. Wenn ihr nun mit der Rotationspoliermaschine arbeitet wird die Lackoberfläche durch die Partikel im Pad ungleichmäßig belastet. Hierdurch entstehen die Hologramme. Weil die Lackpartikel meist sehr fein sind, sind die Hologramme nicht allzu tief. Übrigens passiert das gleiche bei der Politur mit der Exzenterpoliermaschine. Hier äußerst sich das Schadensbild allerdings in Form eines Grauschleiers. Das liegt an der orbitalen Bewegung.

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Holgramme vermeiden

Um die Polierhologramme möglichst zu vermeiden ist es wichtig, genüg Politur zu nehmen. Die Öle in der Politur helfen dabei, die Partikel abzutransportieren, ohne das Polierpad zuzusetzen. Bei festen Schleifpolitur hilft es, wenn du zwei Spritzer Wasser auf das Pad gibst, bevor du das Auto polierst. Außerdem empfehlen wir dir, häufig das Polierpad zu wechseln oder zwischendurch mit Druckluft auszublasen.

 

Um Waschhologramme zu vermeiden, ist es wichtig, dass du beim Auto waschen darauf achtest, keine festen Partikel in deinem Waschutensil zu sammeln. Häufiges Ausspülen in einem separaten Eimer minimiert das Risiko erheblich.

 

Hologramme sicher entfernen

Die gute Nachricht vorweg: Hologramme lassen sich meisten sehr zuverlässig entfernen. Meisten genügt ein Poliergang mit einer Feinschleif- oder Hochglanzpolitur, um die Hologramme vollständig zu entfernen. Das funktioniert übrigens auch sehr gut mit einer Rotationspoliermaschine. Einsteigern in dieser Materie, raten wir allerdings zu einer Exzenterpoliermaschine, da diese selbst keine Hologramme verursachen kann.

 

RIDS – wie bitte?

Der Begriff RIDS stammt aus dem Englischen und bedeutet: random isolated deep scratches. Also zufällig angeordnete, einzelne, tiefe Kratzer. Diese Art von Kratzern lässt sich nicht verallgemeinert darstellen. Hierunter fallen alle Kratzer, die einzeln am Lack auftreten. Deren Ursachen können natürlich vielseitig sein: Schlüssel, Sträuche, Tiere, Unfälle, Rempler und so weiter.

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Auch die Beseitigung ist hier ebenso vielseitig. Solltest du so einen Kratzer haben, empfehle ich dir, ihn partiell zu bearbeiten. Häufig ist auch ein Schleifen der Kanten nötig, allerdings ist das natürlich ein Thema für Fortgeschrittene.

Durch das Polieren kannst du allerdings fast alle Kratzer deutlich abmildern.

 

Wasserflecken auf dem Lack 

Wasserflecken sind Ablagerung von Mineralen aus dem Wasser. Wasserflecken entstehen meist, wenn wir die Scheiben oder den Lack nicht schnell genug abtrocknen. Dann verdampft das Wasser und auf dem Lack zurück bleibt das nicht wasserlösliche Calciumcarbonat- umgangssprachlich bekannt als Kalk.

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Wasserflecken tauchen nicht immer auf, wenn das Auto nass wird. Warum nicht?

Wenn es richtig ordentlich regnet, wird das Auto nass und der ganze Staub/Partikel werden von den „horizontalen“ Flächen quasi weggewaschen, somit sind die Mineralien, die sich sonst ablagern könnten, weg. Der Regen an sich ist destilliertes Wasser. Außer in stark luftbelasteten Gebieten, da ist der Regen sauer und reich an Schadstoffen.

 

Aber auch hier passiert bei starken Schauern meistens nichts. Ist es aber nur ein kurzer Schauer, reicht die Wassermenge nicht aus um die Mineralien mit dem Wasser zu entfernen. Strahlt danach die Sonne entstehen Wasserflecken.

 

Genauso ist es, wenn das Auto unter Bäumen steht. Staub und Partikel sammeln sich auf den Blättern, mit dem Regen gelangen sie aufs Auto, beim eintrocknen können Wasserflecken entstehen.

Es gibt 3 Typen von Wasserflecken auf dem Lack:

Typ 1

Leichte, Oberflächliche Wasserflecken, bei denen die Salze kürzlich erst abgelagert wurden und noch nicht weiter durch Umwelteinflüsse eingeätzt sind. Hierfür:

  • Für den Lack empfehlen wir eine geringer Dosierung von Essigessenz.
  • Für empfindliche Chromflächen, ist Essig nicht geeignet, da er die Oberfläche angreift. Hier können wir auf Citronensäure zurückgreifen. Es entsteht das wasserlösliche Calcium-Dicitrato-Komplex.

In der Praxis:

Mikrofasertuch in entsprechender Säure tränken (Für Glas Essigessenz pur oder 1:1, auf dem Lack 1:20 starten und bis zu 1:10 erhöhen bis Kalk gelöst wird) und vorsichtig über die gereinigte Oberfläche reiben. Anschließend mit sauberen Tuch und Glasreiniger (oder bei Lack z.B. APC) reinigen.

 

Typ 2

Diese Wasserflecken sind schon etwas älter. Die Salze haben schön längere Zeit wirken können und haben die Oberfläche durch Umwelteinflüsse, z.B. Sonnenlicht schon angeätzt/korrodieren lassen.

Diese Wasserflecken müssen zunächst chemische gesäubert werden (wie Typ 1). Anschließend bedarf es jedoch leider einer Politur, um die Verätzungen zu entfernen.

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Typ 3

Hier ist meist „Hopfen und Malz verloren“. Lange Wirkzeiten der Salze auf der Oberfläche haben die Folge, dass sich die Salze häufig tief in oder durch den Klarlack geätzt haben.

Im Zweifelsfall könnte man versuchen, die Schäden durch Nass- oder Trockenschleifen zu beheben oder zumindest zu vermindern.

 

 

Vogelkot und Insektenreste

Vogelkot enthält neben den flüssigen Bestandteilen (Säuren und Basen) auch Feststoffe, die logischerweise beim Abkratzen den Lack schädigen. Auch wenn der Kot zu lange auf dem Lack bleibt, wird es gefährlich: Er kann sich nämlich schnell durch den Klarlack ätzen.

 

Die meisten kennen dieses leidige Problem. Besonders nach der Fahrt auf der Autobahn, finden wir an verschiedenen Stellen des Fahrzeugen viele Insektenleichen.

 

Insekten sind zwar dann meistens tot, aber für den Lack leider trotzdem gefährlich. Sie bestehen aus verschiedenen Substanzen:

  • Harte Bestandteile (Panzer, Fühler, Flügel etc) verursachen besonders gerne Kratzer beim mechanischen Entfernen (Abwischen)
  • Säure- Auch wenn es nur kleine Menge an Säure ist, die Insekten enthalten, reicht diese aus, um den Lack zu verätzen

Diese Stoffe für sich, können leider schon genug Schaden anrichten. Dieser ist zwar von der Fläche betrachtet gering, jedoch trotzdem gut sichtbar.

Hinzu kommt, dass die Sonne das Wasser in den Insekten verdunsten lässt, sodass die schädlichen Substanzen auf dem Lack noch konzentrierter sind.

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